Raclette – Die zarteste Versuchung seit es Käse gibt!

Für die richtigen Käsesuchties gibt es nur zwei Möglichkeiten, seine Sehnsüchte zu stillen. Käsefondue oder Raclette.

Da beide Käse-feasts ihren eigenen Lobesartikel benötigen, beginnen wir heute mit dem Raclette oder auch Bratchäs.

Was ist dieses Raclette überhaupt?

Als Raclette bezeichnet man entweder den Kuhmilchkäse selber oder ein warmes Gericht, bei dem der Raclette-Käse langsam zum Schmelzen gebracht und dann mit verschiedenem Allerlei verspeist wird.

Ganz traditionell wird der Käselaib angeschnitten und angegrillt. Die oberste angegrillte Schicht wird abgeschabt und verzehrt. Daher die Bezeichnung Raclette vom Verb racler aus dem Patois (ein Dialekt der französischen Sprache, den keiner braucht) für schaben.

 

Normalerweise wird diese Köstlichkeit in Kombination mit Brot verköstigt, aber heutzutage mit einer Vielzahl verschiedener Nebengerichte auf Gesund getrimmt. Dementsprechend findet man nicht nur Brot dazu, sondern auch Kartoffeln, verschiedene Aufschnitte, eingelegtes oder rohes Gemüse, Salate etc. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. 

Apropos gesund: Nichts davon ist wirklich gesund! Weder die Unmengen an Käse, die man in sich hineinstopft bis man das Gefühl hat, einen riesigen Felsen verschluckt zu haben, noch die hauchdünnen Scheiben an verschiedenen Aufschnitten. 

Alles ist klein und niedlich. Selbst die Pellkartoffeln sind klein. “ Na komm. Eine kleine Kartoffel geht noch. Rutscht ja auch von gaaanz alleine mit einer Scheibe geschmolzenem Käse runter. Ein wenig Hummus oben drauf für das ernährungsbewusste Gewissen und eine dünne Scheibe Schinken. Spürt der Magen gar nicht.“

Aber eigentlich vollkommen egal, was man dazu isst, satt ist man unter Garantie danach. Und das ist noch nett ausgedrückt.

Eher siecht man nach einem Raclette nur noch vor sich hin. In der Regel Richtung Sofa oder Bett.

Nicht ohne Grund geht man davon aus, dass es diese Tradition schon länger als 500 Jahre gibt. Irgendetwas mussten die Alphirten ja essen und wenn es ansonsten nichts gab, dann eben Raclette.

Die hatten es sicherlich einfacher. Sie legten sich direkt auf die Almwiesen und machten ein Nickerchen. 

Jeder kocht für sich - weniger Aufwand für mich!

Manch einer mag jetzt denken:“ Ach super! Wir machen ein Raclette, dann habe ich keine Arbeit und jeder kocht für sich selber am Tisch!“ 

Derjenige täuscht sich gewaltig.

Ganz im Gegenteil es ist super aufwendig und man hat danach mehr Arbeit, was zumindest den Abwasch anbelangt.

Was ist jetzt damit genau gemeint?

Als guter Gastgeber möchte man sich von seiner besten Seite zeigen. Groß auffahren und seinen Gästen ein  unvergessliches kulinarisches Erlebnis bieten. Des weiteren möchte man natürlich auch sein gottgegebenes Talent in der Küche zur Show stellen.

Dies wird mit Raclette etwas schwierig, denn jeder kümmert sich ja hier, um seinen eigenen Käse.

Was passiert also?

Man übertreibt völlig mit allem anderen. 

Wann ist zu viel, wirklich zu viel?

Als erstes stellt man sich die Frage, wieviel Käsescheiben man denn eigentlich pro Person braucht.

Da ich, als halbe Portugiesin von Geburt an ein großes Problem habe mit dem Einschätzen von gesunden Portionen, ist generell nie genug da. Hinzu kommt die Angst, dass nicht nur genügend Quantität vorhanden ist, sondern auch nicht genügend Variation der Quantität.

Ich höre immer die Stimme meine Mutter, die mir von Kindesbeinen klar machte, dass es niemals zu viel sein kann. Eine Schande sollte zu wenig auf dem Tisch sein.

Ich versuche euch das mal an einem Beispiel zu erklären:

Mein Verlobter und ich luden ein paar Freunde ein. Insgesamt ergab dieses Treffen 8 erwachsene Personen und ein kleines Mädchen von.. Na klein eben (Habe vergessen wie alt sie ist, aber circa ein laufender Meter.)

Selbstverständlich stand ich im Supermarkt vor der Frage der Fragen:

Was brauche ich und wieviel?

Ich plante 118 Käsescheiben ein, aus vier verschiedenen Raclettesorten. Denn es waren ja auch 4 starke gesunde junge Männer mit dabei. Die essen viel! So dachte ich.

Dazu kommen 4 Baguettebrote , 2,5 kg kleine Kartoffeln (Pellkartoffeln), eine große Schüssel selbstgemachten Hummus und Tzatziki, ein großes Glas selbst eingelegte gelbe und rote Beete mit Zwiebeln, rohes Gemüse (zum selber braten) und natürlich mehr als ein halbes Kilo verschiedene Wurst- und Schinkenaufschnitte.

Und trotzdem die Angst, es könnte nicht ausreichen! Und wieder meine Mutter im Kopf, die zu meinem Vater sagt:“ Stell dir vor unsere Gäste gehen hungrig nach Hause…! Nein, nicht in unserem Haus!“

Inzwischen muss ich aufpassen, was ich schreibe. Meine Mutter liest den Blog…

Natürlich war die Angst vollkommen unbegründet. Wer schafft schon knapp 14 Scheiben Raclette mit all den Leckereien, die sonst noch auf dem Tisch liegen?

Hätte ja aber sein können, dass die Gäste ganz besonders viel Hunger haben!

Dem war natürlich nicht so. Nach zwei Jahren Aufenthalt hier in Frankreich, sollte ich doch gelernt haben, dass Franzosen einfach nichts essen! Oder kommt mir das nur so vor? Habe ich ein gestörtes Verhältnis zum Essen und seinen Proportionen? Offensichtlich.

Auf jeden Fall waren alle so voll gestopft, dass sie sogar die obligatorische Käseplatte als Nachtisch ausließen. Und das soll in Frankreich etwas heißen!

Woran das wohl gelegen haben könnte?

Das Auge isst mit!

Die Gäste sollten um 13 Uhr kommen, ich stand um 06.30 Uhr in der Küche. Ich bereitete den Tisch vor, wenn man schon nicht selber kocht, dann muss es wenigsten nach viel Arbeit aussehen.

Paradox! Es soll nach viel Arbeit aussehen, damit man dann sagen kann, dass es überhaupt keine Arbeit war. Schlussendlich steht man doch mehrere Stunden in der Küche, um alles vorzubereiten, bis einem die Beine wehtun.

Einige fragen sich jetzt:“ Warum?“

Ich mich auch und das jedes Mal! 

Das Auge isst halt mit. Es soll schön aussehen!

Der Tisch schön gedeckt, das Gemüse ordentlich und gleichmäßig geschnitten, appetitlich angerichtet, die Wurst- und Schinkenaufschnitte hübsch dekoriert auf einer Holzplatte präsentiert und alles andere liebevoll in kleine Schüsselchen platziert.

Nicht zu vergessen, dass die Kartoffeln gekocht werden müssen. Und zum krönenden Abschluss, macht man ja auch alles andere selber. Anstatt es einfach zu kaufen. Denn der Sinn dahinter, abgesehen das es einfach lecker ist, ist ja auch, weniger Aufwand zu haben. 

Einige von euch machen es sicherlich richtig. Käse gekauft, Brot in große Würfel geschnitten, ein paar saure Gürkchen dazu. Alle sind glücklich und zufrieden. Sie stehen nicht stundenlang in der Küche, um aus der Salami kleine Röschen zu formen, damit einer der Gäste dann sagt:“ Sieht zwar sehr hübsch aus, praktisch ist es aber nicht!“ Als er versuchte, sich eine Scheibe davon zu erhaschen. 

Weniger Arbeit wird es bei nächsten mal auf jeden Fall, da besagter Gast nicht mehr eingeladen wird! Keiner macht ungestraft Späßchen über meine Röschen!

Fazit

Einfach und nahrhaft, so wie es die alten Alphirten zu ihrer Zeit gemacht haben, sieht irgendwie anders aus.

Nichtsdestotrotz würde ich es jeder Zeit wieder genauso machen.

Ich liebe Raclette und einen reichgedeckten Tisch zu haben, welcher toll dekoriert ist, auf dem selbst das Essen aussieht, als dürfe man es eigentlich nicht essen. Dem kann ich einfach nicht widerstehen!

Geht es nur mir so oder wer von euch ist nach einem Raclette super geschafft und weiß nicht, ob dass davon kommt, das man zu viel gegessen hat oder weil man völlig fertig von den Zubereitungen ist?

Übrigens sind von den 118 Käsescheiben 54 Scheiben übrig geblieben. Den Rest haben wir eingefroren. So schnell will ich kein Raclette mehr essen. So lecker es auch ist!

Für eine gaaanz lange Zeit. 

Von allem anderen essen wir heute noch und das Treffen ist knapp über eine Woche her.

Um den Kreis zu schließen, die Verdauung spielt Achterbahn. Wo wir wieder bei unserem roten Faden gelandet wären, welcher sich seit einigen Artikeln durch unseren Blog zieht. Noch nicht mitbekommen? 

Hier klicken!

 

Kleiner Tipp: Die Schweizer sagen (bzw. mein Onkel aus der Schweiz), dass man niemals Wasser zu Raclette oder Käsefondue essen sollte! Nur Wein oder schwarzen Tee mit Milch, dass soll wohl verhindern, dass der Käse im Magen klumpt und man später Bauchweh hat.

Ob es stimmt, kann ich nicht sagen. Ich für meinen Teil habe nicht das Gefühl, dass die Getränke den Fels im Magen angenehmer machen.

Jemand Erfahrungen damit gemacht?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: