Angkor war Wat?

Angkor Wat, die geheimnisvolle Stadt bei Siem Reap, war ein Ziel, das ich unbedingt sehen wollte. Allerdings hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Denn wie sich herausstellte, sollte ein kleines Virus große Pläne haben. Aber der Reihe nach…

„Erst einmal muss ich meinen Senf dazu geben. Matthias war doch nur dort, damit er mich zu Tode ärgern kann. Denn er wusste, dass ich vor Neid erblasse, wenn er vor mir diesen heiligen Ort betreten würde. Ich ärgere mich heute noch und noch mehr, weil dieser kleine Mistvirus mir die Hinreise verwehrt. Was ist, wenn ich dort nie wieder hin kann? Dann muss ich damit leben, dass Matze dort war und ich nicht -.-„

Dazu ein paar persönliche Worte zum Virus: Du hast meinen Urlaub versaut, wir waren in Kambodscha und konnten nicht zurück, weil unsere Fluggesellschaft den Flug gestrichen hat und uns nicht mal ne Mail schreiben kann. Ich wollte mir doch auf Koh Rang von Sandflöhen in den Arsch beißen lassen! Aber diese Erfahrung hast du mir genommen! Wir haben uns ein paar Scheißmonate darauf gefreut, wollten wie blöd tauchen und Viecher angucken, die ich mir eh nicht merken kann. Danach wollten wir mit dem Zug nach Phnom Phen. Stattdessen versaust du uns die Reise, wir kommen nach Berlin zurück und die nächsten Wochen bestehen aus schlechten Nachrichten, fett werden und Ausflügen zum Baumarkt. Genau darauf hatte ich dieses Jahr Bock. Dich wegleugnen kann ich aber auch nicht, denn das interessiert einen Virus nunmal einen Scheißdreck!!!

Update 2021: ES HAT SICH NICHTS GEÄNDERT!!!!  Aber wenigstens haben wir Klopapier. Man muss sich ja über die kleinen… Scheiß drauf, hab die Schnauze voll!!! 

Ankunft in Siem Reap

Tuk-Tuk macht Brumm-Brumm. Das typische Fortbewegungsmittel in Siem Reap für Reisende. Auch als Schlafmöglichkeit verwendbar.

Aber zurück nach Angkor War. Unser Plan war, uns mit Freunden direkt in Siem Reap zu treffen. Wir aus Deutschland kommend, sie aus Indonesien. Gemeinsam sollte Siem Reap besichtigt werden und dann mal gucken. Auf jeden Fall Tempel, Strand und Tauchen, dazu sich besaufen. 10 Tage in Kambodscha herumreisen, um Land und Leute kennenzulernen. Unsere Ankunft sollte eine logistische Meisterleistung werden. Nicht nur, dass wir aus unterschiedlichen Erdteilen uns an einem Ort treffen, die Landung unserer Flugzeuge lag nur 30 Minuten auseinander. Das war eigentlich schon alles was klappen sollte.

Denn am Morgen als wir den Flieger nach Siem Reap nehmen wollten, bekamen wir die Nachricht, dass aufgrund von Corona Kambodscha in 2 Tagen die Grenzen für Touristen schließen wird. Die Flüge waren gebucht, wir nicht mehr ganz so jung, aber dennoch naiv. Wir flogen! Und haben uns im Flugzeug von den Europäern ferngehalten. Wer weiß, was die mit sich rumschleppen! Ich war etwas verwundert, als ich sah, dass andere Mitreisende Ihre Sitze komplett mit Desinfektion überkippten! Die übertreiben ganz schön, dachte ich, als ich die Klappe vor mir mit einem Hygienetuch abwischte. 

Da wir gegen Nachmittag ankamen, hungrig waren, gingen wir auf Nahrungssuche. Und natürlich gibt es eine Biermeile ein Siem Reap. Welch großartige Erfindung, um besoffene Touristen aller Herren Länder an einem Ort konzentriert zu sehen. Besser als Trash-TV, weil live, echt und in Farbe. So können sich westliche Touristen von Ihrer besten Seite präsentieren! Falls jemand dort Zigaretten kaufen möchte, so sollten die Sargnägel eher in einem offiziellen Shop gekauft werden. Wir kauften sie im Sparwahn nicht dort und rauchten den ganzen Abend getrocknete kambodschanische Wald- und Wiesenkräuter. Schön ist ebenfalls, dass in den Pubs und Bars das Bier nur 50 Cent den halben Liter kostet. Ich schaffte 8 und ging nüchtern ins Hotel. Die dortigen Cocktails halfen, den Alkoholpegel auf ein natürliches Niveau zu heben. Was ich im Restaurant getrunken habe, weiß nur der liebe Gott. Ich hoffe das Beste und vermerke keine Folgeschäden.

Wer aber Bilder von meinem Kumpel sehen will, der clicke auf sein Insta-Profil!

Am nächsten Tag schliefen wir aus, frühstückten in Ruhe und machten gegen 12 Uhr los. Es ist übrigens eine hervorragende Idee bei 35° Grad und sengender,  trockener Hitze die Tempeltour zu machen. Ich hatte mich übrigens besonders gefreut, da ich doch ein neues Hobby für mich entdeckt habe und Angkor Wat ist zur Ausübung geradezu prädestiniert.  Hier, so dachte ich,  konnte ich alles ausleben und jene Glücksmomente und Wonnen auskosten, die nur ein erfüllendes Hobby geben kann.

Was mache ich am liebsten in meiner Freizeit?

Mein neues Hobby? Steine beobachten! Also nicht Steine sammeln und verschiedenste Gesteinsarten nach Herkunft oder  Zusammensetzung klassifizieren. Das ist was für Freaks! Oder Steine bemalen und in freier Wildbahn aussetzen in der Hoffnung, dass Fremde die Steine finden, sich freuen und glückliche Selfies in bestimmten Facebook-Filterblasen posten, damit sich andere in diesen bestimmten Facebook-Filterblasen freuen, dass ihre bemalten und ausgesetzten Steine gefunden wurden.  Mein Gott ist das bekloppt! Aber so sind sie, die Yogaversifften Öko-Afd’ler.  

Nein, Steine beobachten. Eine relative neue und junge Wissenschaft über das Leben der Steine in freier Wildbahn. Also was machen Steine so in ihrer Freizeit? Liegen sie faul rum oder rollen sie ab und an durch die Gegend? Man kann sich ja Wund liegen und etwas Bewegung tut immer gut. Und wie machen Steine neue, kleine Steine? Gibt es bestimmte Zeiten, zu denen sich die Steine vermehren? Sind es vielleicht Vollmondphasen oder eher die Jahreszeiten, in der die Natur ihren Kreislauf des Lebens von Neuem beginnt. Wie sind die Balzrituale zwischen den Geschlechtern? Sind steinerne Mienen erotisch? In Angkor Wat glaubte ich jedenfalls ideale Bedingungen zu finden, um diese Fragen zu klären.

Wie auf vielen anderen Reiseblogs zu lesen ist, ist Angkor War wohl einer der bekanntesten Tempelanlagen der Welt. In der Nähe gibt’s außerdem ein Haufen anderer Tempel, am bekanntesten ist Ankhor Thom und dann dieser Tempel wo Lara Croft gedreht wurde. Die haben wir leider vor Ort nicht gesehen. Dafür viele alte Steine, aufeinander geschichtet und mit Bäumen überwuchert. Dass man die armen Steine von diesem jahrhundertealtem Unkraut nicht befreien kann, ist mir ein Rätsel. Zudem war es echt heiß, daher beschränkte ich meine Beobachtungsaktivitäten auf fotografische Aufnahmen. Bei 35° lege ich micht nicht in die Sonne. Ein weiteres Problem für Teile unserer Reisegruppe. Während die Mehrheit unserer Reisegruppe die 10 Liter brav ausschwitzte, die wir zur Aufrechterhaltung unseres Flüssigkeitshaushalts zu uns genommen hatten, musste ein ganz geringer Teil der Gruppe andauernd Örtlichkeiten aufsuchen, um jene Flüssigkeit wieder aus den Körper zu transportieren. Die natürliche Transpiration dieser Personen wurde bei diesen Temperaturen nicht aktiviert, sondern frühestens bei 95° in der Sauna und zwar während eines Aufgusses. So kam es, dass ich keine Steine beobachten konnte, sondern eine imaginäre Kartographie der einheimischen Toiletten erstellte. Die Spannweite reichte zwischen normalen Toilettenhäuschen bis zu halboffenen Abwasserröhren. Phantasie ist nicht nötig, warum die Röhren halboffen waren.

Dennoch machte ich eine überraschende Entdeckung, während wir zu Rast auf einer steinernen Mauer saßen. Wir machten das übliche Gruppenfoto, das später in den Weiten der sozialen Medien der Vergessenheit anheim fallen sollte. Jedenfalls saß ich auf den Steinen und bemerkte ein Brummen und Vibirieren. So als ob starke Druckluft durch eine enge Öffnung schlagartig entweicht. Auch meine Reisegefährten registrierten das und schauten mich verwirrt an. Ich erklärte, dass diese uralten Steine wohl nicht damit einverstanden wären, dass touristische  Hinterteile darauf Platz nähmen. Ich würde das auch nicht wollen. Ungläubig rümpften meine Freunde die Nase und schlugen einen Ortswechsel vor. Das „Odeur“ hätte sich verändert. Längeres Verweilen war unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Ich beschloss die Lage der Steine zu dokumentieren und diese dann mit Fotos im Internet zu vergleichen. Bei meinem neuen Hobby kann ich mich darauf verlassen, dass selten Überraschungen passieren, und wenn diese passieren, werden die Neuigkeiten in Windeseile in der Steinebeobachtungs-Community in Windeseile verbreitet. Die Tempel sind übrigens auch interessant, wenn man sich dafür interessiert. Weiß zwar nicht warum, schließlich stehen die ja überall auf der Welt rum. 

Corona und Urlaub?

Jedenfalls sollte unser Aufenthalt ziemlich schnell beendet sein. Während wir Angkor Wat bewunderten, machten die Grenzen auf der Welt zu. An sich nicht schlimm, wir konnten sie ja einfach überfliegen. Allerdings flogen keine Flugzeuge mehr. Also spielten wir im Hotel unter Einfluß von Cocktails und Bier verschiedene Szenarien durch: 

1. In Kambodscha bleiben und Corona ignorieren. Der Plan war ziemlich schnell Geschichte. Keiner wollte in Kambodscha krank werden und vielleicht in einem Krankenhaus landen, das vielleicht nicht den westlichen Standards entsprach, also:

2. Alle zusammen nach Thailand mit dem Bus fahren und Corona auf Koh Chang bei Cocktails aussitzen. Klang gut und wir verlängerten um eine Nacht, damit wir einen Bus von Siem Reap zur thailändischen Grenze nehmen konnten. Dieser Plan hielt genau 5 Minuten. Nachdem von der Rezeption zurückkam, stürzte die Freundin meines besten Freundes in das Hotelzimmer. Sie hatte eine Nachricht bekommen, dass sie und mein Kumpel am Besten sofort nach Indonesien zurückfliegen, weil die Grenzen geschlossen werden sollten. Nur Indonesier sollten das Recht haben, einzureisen. Für ihn, als Nicht-Indonesier, bestand die Gefahr, nicht in Indonesien reingelassen zu werden, obwohl er dort arbeitet. Womit wir zum nächsten Plan kommen:

3. Ab nach Bangkok. Nur wir zwei. Da gibts Krankenhäuser und vielleicht noch einen Flieger nach Deutschland. Denn in der Zwischenzeit wurden unsere Rückflüge gecancelt und wir saßen fest! Natürlich gehört auch zum Krisenmanagement, die offiziellen Vertretungen Deutschlands im Ausland zu schließen und weder E-Mails noch Anrufe gestrandeter Touristen zu beantworten. Mit dem gleichen Erfolg bucht man übrigens auch Termine in den Berliner Bürgerämtern.

Und so hingen wir fest. Unsere Freunde erwischten einen teuren Flug nach Indonesien und verließen am nächsten Vormittag Siem Reap. Unser Flug ging am späten Abend und so hatten wir den ganzen Tag Zeit, uns durch die Nachrichten verrückt zu machen. Ich habe selten so viel geraucht wie an diesem Tag! Während des Wartens, beschloß Thailand, dass die Einreise ab sofort nur mit einem negativen Corona-Test möglich sein soll. Ab sofort! Und man soll eine Reisekrankenversicherung nachweisen, die die Kosten einer medizinischen Behandlung bis zu 100.000 Dollar abdeckt. 

Versuch mal in Siem Reap bei Beginn der Pandemie einen Corona-Test zu machen! Ist ein Jahr später in Deutschland immer noch schwer! Wie sollen wir das machen, wie kommen wir nach Thailand, damit wir wenigstens einen Flug organisieren können? Es gab ja auch Gerüchte, dass Touristen in Kambodscha in Hotels zur Quarantäne gesteckt werden sollten. 

In der Zwischenzeit konnte eine sehr liebe Kölner Reisende über ihren Reiseanbieter früher abfliegen. Sie verließ das Hotel gegen Nachmittag, nachdem wir gemeinsam sehr viele Zigaretten vor lauter Nervosität vernichtet hatten. Na gut, wenigstens Sie hat es geschafft. Und wir? Kurze Zeit später das Update, die Regelungen greifen 2 Tage später. Zur Beruhigung erstmal 5 Kippen geraucht.

Also packten wir alles zusammen und konnten endlich abends abreisen. Beim Check-Out an der Rezeption lief uns unsere neue Freundschaft aus Köln in die Arme. Sie durfte das Flugzeug nicht betreten, der Flug ging über Hanoi und nicht mal einen Aufenthalt im Transit war in Vietnam Ausländern gestattet. Noch nervöser fuhren wir zum Flughafen. Wir erwischten unseren Flug, alle anderen waren gecancelt. Teils zusammengelegt mit anderen Flügen, teils komplett storniert. So waren viele Reisende am Flughafen gestrandet und kamen erstmal nicht zurück.

Der Traum eines jeden Fliegenden

Zwei Tage flogen wir von Bangkok nach Frankfurt. Über den Preis rede ich nicht! Wir waren nicht Teil des Rückkehrerprogramms. Ein Angebot zum Rückflug bekamen wir in Berlin 5 Stunden nach der Ankunft! Danke für Nichts!!!

Fazit

Jetzt ein Jahr später wo ich diese Zeilen niederschreibe, die keiner lesen wird, bin ich dennoch froh in Angkor Wat gewesen zu sein! Diese Tempelanlage wollte ich sehen und ich möchte diese 1,5 Tage nicht missen. Die 1,5 Tage danach aber schon! 

Und von nun an sehen wir jetzt so aus....

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