Angkor war Wat?

Angkor Wat, die geheimnisvolle Stadt bei Siem Reap, war ein Ziel, das ich unbedingt sehen wollte. Allerdings hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Denn wie sich herausstellte, sollte ein kleines Virus große Pläne haben. Aber der Reihe nach…

Jenny: 

„Erst einmal muss ich meinen Senf dazu geben. Matthias war doch nur dort, damit er mich zu Tode ärgern kann. Denn er wusste, dass ich vor Neid erblasse, wenn er vor mir diesen heiligen Ort betreten würde. Ich ärgere mich heute noch und noch mehr, weil dieser kleine Mistvirus mir die Hinreise verwehrt. Was ist, wenn ich dort nie wieder hin kann? Dann muss ich damit leben, dass Matze dort war und ich nicht -.-„

Dazu ein paar persönliche Worte zum Virus: Du hast meinen Urlaub versaut, wir waren in Kambodscha und konnten nicht zurück, weil unsere Fluggesellschaft den Flug gestrichen hat und uns nicht mal ne Mail schreiben kann. Ich wollte mir doch nur auf Koh Rang von Sandflöhen in den Arsch beißen lassen! Aber diese Erfahrung hast du mir genommen! Wir haben uns ein paar Scheißmonate darauf gefreut, wollten wie blöd tauchen und unter Wasser wieder Viecher angucken, die ich mir eh nicht merken kann. Stattdessen versaust du uns die Reise und wir kommen nach Berlin zurück und die nächsten Wochen bestehen aus Nachrichten, fett werden und Ausflügen zum Baumarkt. Genau darauf hatte ich dieses Jahr Bock. Dich wegleugen kann ich aber auch nicht, denn das interessiert ein Virus nunmal einen Scheißdreck!!!

Tuk-Tuk mach Brumm-Brumm. Das typische Fortbewegungsmittel in Siem Reap für Reisende.

Aber zurück nach Angkor War. Unser Plan war, uns mit Freunden direkt in Siem Reap zu treffen. Wir aus Deutschland kommend und Sie aus Indonesien. Gemeinsam sollte Siem Reap besichtigt werden und dann mal gucken. Auf jeden Fall Tempel, Strand und Tauchen, dazu sich zu besaufen. Jedenfalls 10 Tage in Kambodscha herumreisen und Land und Leute kennen lernen. Unsere Ankunft sollte eine logistische Meisterleistung werden. Nicht nur, dass wir aus unterschiedlichen Erdteilen uns an einem Ort treffen, die Landung unserer Flugzeuge lag nur 30 Minuten auseinander. Das war eigentlich schon alles was klappen sollte.

Denn am Morgen als wir den Flieger nach Siem Reap nehmen wollten, bekamen wir die Nachricht, dass aufgrund von Corona Kambodscha in 2 Tagen die Grenzen für Touristen schließen wird. Die Flüge waren gebucht, wir nicht mehr ganz so jung, aber dennoch naiv. Wir flogen! Und haben uns im Flugzeug von den Europäern ferngehalten. Wer weiß, was die mit sich rumschleppen! Ich war etwas verwundert, als ich sah, dass andere Mitreisende Ihre Sitze komplett mit Desinfektion überkippten! Die übertreiben ganz schön, dachte ich, als ich die Klappe vor mir mit einem Hygienetuch abwischte. 

Am nächsten Tag schliefen wir aus, frühstückten in Ruhe und machten gegen 12 Uhr los. Es ist übrigens eine hervorragende Idee bei 35° Grad und sengender,  trockener Hitze die Tempeltour zu machen. Ich hatte mich übrigens besonders gefreut, da ich doch ein neues Hobby für mich entdeckt habe und Angkor Wat ist zur Ausübung geradezu prädestiniert.  Hier, so dachte ich,  konnte ich alles ausleben und jene Glücksmomente und Wonnen auskosten, die nur ein erfüllendes Hobby geben kann.

Mein neues Hobby? Steine beobachten! Also nicht Steine sammeln und verschiedenste Gesteinsarten nach Herkunft oder  Zusammensetzung klassifizieren. Das ist was für Freaks! Oder Steine bemalen und in freier Wildbahn aussetzen in der Hoffnung, dass Fremde die Steine finden, sich freuen und glückliche Selfies in bestimmten Facebook-Filterblasen posten, damit sich andere in diesen bestimmten Facebook-Filterblasen freuen, dass ihre bemalten und ausgesetzten Steine gefunden wurden.  Mein Gott ist das bekloppt! Aber so sind sie, die Yogaversifften Öko-Afd’ler.  

Nein,  Steine beobachten.  Eine relative neue und junge Wissenschaft über das Leben der Steine in freier Wildbahn. Also was machen Steine so in ihrer Freizeit? Liegen sie faul rum oder rollen sie ab und an durch die Gegend? Man kann sich ja wundliegen und etwas Bewegung tut immer gut. Oder wie machen Steine neue, kleine Steine? Gibt es bestimmte Zeiten, zu denen sich die Steine vermehren? Sind es vielleicht Vollmondphasen oder eher die Jahreszeiten, in der die Natur ihren Kreislauf des Lebens von Neuem beginnt. Wie sind die Balzrituale zwischen den Geschlechtern? Sind steinerne Mienen erotisch? In Angkor Wat glaubte ich jedenfalls ideale Bedingungen zu finden, um diese Fragen zu klären.

Wie auf vielen anderen Reiseblogs zu lesen ist, ist Angkor War wohl einer der bekanntesten Tempelanlagen der Welt. In der Nähe gibt’s außerdem ein Haufen anderer Tempel, am bekanntesten ist Ankhor Thom und dann dieser Tempel wo Lara Croft gedreht wurde. Die haben wir leider vor Ort nicht gesehen. Dafür viele alte Steine, aufeinander geschichtet und mit Bäumen überwuchert. Dass man die armen Steine von diesem jahrhundertealtem Unkraut nicht befreien kann, ist mir ein Rätsel. Zudem war es echt heiß, daher beschränkte ich meine Beobachtungsaktivitäten auf fotografische Aufnahmen. Bei 35° kann ich mich nicht in die Sonne legen und die Steine beobachten. Ein weiteres Problem für Teile unserer Reisegruppe. Während die Mehrheit unserer Reisegruppe die 10 Liter brav ausschwitzte, die wir zur Aufrechterhaltung unseres Flüssigkeitshaushalts zu uns genommen hatten, musste ein ganz geringer Teil andauernd Örtlichkeiten aufsuchen, um jene Flüssigkeit wieder aus den Körper zu transportieren. Die natürliche Transpiration dieser Personen wurde bei diesen Temperaturen nicht aktiviert, sondern frühestens bei 90° in der Sauna. So kam es dazu, dass ich keine Steine beobachten konnte, sondern eine imaginäre Kartographie der einheimischen Toiletten erstellte. Die Spannweite reichte zwischen normalen Toilettenhäuschen bis zu halboffenen Abwasserröhren. Phantasie ist nicht nötig, waum die Röhren halboffen waren.

 

Dennoch machte ich eine überraschende Entdeckung, während wir zu Rast auf einer steinernen Mauer saßen. Wir machten das übliche Gruppenfoto, das später in den Weiten der sozialen Medien der Vergessenheit anheim fallen sollte. Jedenfalls saß ich auf den Steinen und bemerkte ein Bummen und Vibirieren. So als eine starke Druckluft durch eine enge Öffnung schlagartig entweicht. Auch meine Reisegefährten registrierten das und schauten mich verwirrt an. Ich erklärte, dass diese uralten Steine wohl nicht damit einverstanden waren, dass touristische  Hinterteile darauf Platz nehmen. Ich würde das auch nicht wollen. Ungläubig rümpften meine Freunde die Nase und schlugen einen Ortswechsel vor. Das „Odeur“ hätte sich verändert. Längeres Verweilen war unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Ich beschloss die Lage der Steine zu dokumentieren und diese dann mit Fotos im Internet zu vergleichen. Bei meinem neuen Hobby kann ich mich darauf verlassen, dass selten Überraschungen passieren, und wenn diese passieren, werden die Neuigkeiten in Windeseile in der Steinebeobachtungs-Community in Windeseile verbreitet. Die Tempel sind übrigens auch interessant, wenn man sich dafür interessiert.

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