Ho Chi Minh- Und unsere Motoroller-Gang

Ich wollte schon immer mal nach Vietnam und jeder, der mich kennt, weiß auch warum. 

 

Essen! 

 

Hierzu möchte ich aber  noch einen anderen Artikel schreiben, denn halbausgebrütete Eier erwähnt man nicht einfach so nebenbei.

 

Nichtsdestotrotz geht es in diesem Artikel um die ersten 24 Stunden meines langersehnten Urlaubs und wie ich mich in ein vietnamesisches Motorroller-Gangmitglied verwandelte, um einem Verbrechen nachzugehen.

Natürlich habe ich mich nicht mit den Risiken des Landes auseinandergesetzt, was ich eigentlich auch nie mache. Prinzipiell gehöre ich zu den Personen, die unvoreingenommen in ein Land reisen wollen. Stundenlange Recherche, worauf ich alles achten muss und was gefährlich ist etc., nimmt mir die Vorfreude.

Wir kamen also in Ho Chi Minh an und es war sofort großartig. Ich war glücklich, mein Freund war müde und ich wollte direkt mit dem Programm beginnen.

Wir naschten die ersten kulinarischen Besonderheiten Vietnams: Banh Mi, Pho usw. und sahen uns ebenso die ersten Sehenswürdigkeiten an.

Pho geht einfach immer!
Und zwar wirklich immer!

Besonders interessant sind die französischen Einflüsse in diesem Land und ganz besonders in dieser Stadt, denn je weiter nördlich man kommt, desto schwindender werden die französischen Einflüsse und desto chinesischer wird alles.

Der Plan ist also, alles normaltouristische abzuklappern, wie die alte Poststation (Gustav Eiffel war eben nicht nur für den Eiffelturm zuständig), Notre Dame etc., um dann die eigenen Secret-Places zu entdecken.

Nach einem Tag voller positiver Einflüsse, beschlossen wir am Abend auszugehen.

In einem Restaurant bekamen wir einige Tipps über das Nachtleben und einige Ratschläge, wie zum Beispiel:

 „Lauft niemals mit dem Handy unbesonnen am Straßenrand lang, denn die Jungs hier werden es auch aus der Hand reißen!“

Halb betrunken sogen wir also alle Informationen in uns auf und zogen weiter zu unserer nächtlichen Lokation. Wie es der Zufall so wollte, sollte unsere Skybar mit Club sich im 26. Stockwerk über dem deutschen Haus befinden. Ich fühlte mich gleich ganz heimisch.

Wir verbrachten einen tollen Abend, lernten noch andere Reisende kennen und feierten feucht fröhlich miteinander bis spät in die Nacht. Gegen 4 Uhr morgens beschlossen wir ins Hotel zu fahren, denn wir hatten einiges vor am nächsten Tag.

Mein Freund bestellte also ein Grab (Das asiatische Pendant zu unserem Uber), welches komischerweise aber nicht kam. Wir warteten und warteten und nichts passierte. Plötzlich schrieb uns der Fahrer und an und fragte, wo wir denn stehen würden, er warte wohl schon länger auf uns.

Stutzig liefen wir an den Straßenrand, sahen aber weit und breit kein Auto, was irgendwo stand. Es ging eine ganze Weile hin und her und dann geschah das, was geschehen musste.

Mein Freund stand quasi halb auf der Straße mit seinem Handy in der Hand und zwei junge Männer auf einem Motorroller kamen vorsichtig angefahren. Ich rief noch meinem Freund zu, dass er sich nicht einfach halb auf die Straße stellen soll, da riss ihm der Hintermann das Handy aus der Hand und der Vordermann gab Gas.

Und weg war es, das Handy.

Wir liefen ganz aufgeregt zurück zum Deutschen Haus. Wir trafen auf: 

Eine Nachempfangsdame, die zwar verstand das irgendwas Schlimmes passiert sein musste, aber nur vietnamesisch sprach und ein Nachwächter, der irgendwie gar nichts verstand. Gott sei Dank kam uns dann das Personal von der Bar entgegen, die zum Feierabend eigentlich nach Hause wollten, welche uns aber verstanden, weil sie wenigsten ein wenig Englisch sprachen. Also übersetzte einer für uns und der Nachtwächter rief dann nach gefühlten 30 Minuten die Polizei an.

Nach dem Telefonat wurde uns dann mitgeteilt, dass der Polizist die Nachtwache nicht verlassen konnte, weil er allein dort war. Der Kollege, der mit ihm Dienst hatte, war wohl zu Hause am Schlafen. Wir sollten also zur Wache kommen.

Ehe wir wirklich realisierten, was geschehen war, waren wir mit dem Personal auf dem Weg zur Nachtwache. Jeder von uns hinten auf einem Motorroller drauf.

Das wilde Abenteuer mit unserer Gang sollte beginnen. Wir waren 9 Personen auf 5 Motorrollern.

In der Wache angekommen, dauerte es knapp noch einmal eine Stunde bis dem Polizisten erklärt wurde, was geschehen ist.

Es muss ja alles sorgfältig protokolliert werden.

Während neben mir ein Gefangener seelenruhig auf der Bank schlief, versuchte mein Freund allen klar zu machen, dass schnell gehandelt werden musste, denn er konnte ja sein Handy orten

Inzwischen war es halb 6 Uhr morgens, als der zweite Polizist aus seinem Schlaf zur Arbeit kam. 1 Stunde 30 Minuten waren in der Zwischenzeit vergangen und wir hatten eigentlich die Hoffnung schon aufgegeben und waren sehr müde. Plötzlich waren alle in Aufbruchstimmung, denn es wurde beschlossen der Handyortung nachzugehen.

Der Polizist schwang sich auf seinen Motorroller und wir hinterher. Nun hatten sich 5 weitere Motorroller dazugesellt und los ging die wilde Fahrt durch Ho Chi Minh auf der Suche nach seinem Handy.

 

Da ich keine vietnamesische Sim-card auf meinem Handy hatte, die war ja in seinem Handy hatten, war mein Internet auch dementsprechend schlecht, sodass jemand unserer Helfer auf einem anderen Motorroller uns Hotspot geben musste. 

 

Ihr könnt euch vorstellen, wie diese Traube an Motorrollern ausgesehen haben muss, in denen sich zwei Motorroller nicht weiter als 4 Meter trennen konnten, da ansonsten die Internetverbindungen unterbrochen wurde.

Unerwarteterweise kamen wir wirklich an dem Punkt an, wo das Handy das letzte Mal geortet worden war. Es war 6:20 Uhr morgens der Adrenalinspiegel war hoch und wir verstanden nichts von dem, was untereinander gesprochen worden ist.

Der Polizist sagte etwas zu uns und fuhr dann weg. Unser Übersetzer erklärte uns, dass sie leider nichts weiter tun können, denn sie hätten keine Verfügung, um in die Häuser zu gehen und nachzuschauen. Die Gegend, in der wir uns befanden, ist zwar bekannt, für diese Art von Verbrechen, aber man könne nichts tun.

Uns war das auch schon vorher klar gewesen, aber letztlich wollten wir nichts unversucht lassen. Es war 7 Uhr morgens als unser Taxi ankam und wir uns dankend verabschiedeten.

Menschen, die so hilfsbereit waren und mit uns 4 Stunden lang mitgefiebert haben und halfen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und nicht einmal eine Entschädigung dafür wollten, ließen das ganze Geschehen gar nicht so schlimm erscheinen. Natürlich hat es letzen Endes nichts genützt, aber der Wille war da und das hat uns wirklich berührt.

Viel haben wir aus dieser Nacht gelernt: Passe gut auf deine Habseligkeiten auf und in allem Übel lässt sich immer etwas Gutes finden.

Im Übrigen wir trugen die ganze Zeit über einen Helm, denn Sicherheit geht vor. 😊

To be continued…

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