Das Buzludzha-Monument in Bulgarien

Ansicht Buzludzha-Monument

Im Herzen von Bulgarien befindet sich das Tal der Rosen. Das wissen außer Bulgaren nur asiatische oder russische Touristen, die dort hinfahren um sich inmitten von Rosen- und Lavendelfeldern fotografieren zu lassen. Allerdings ist dort auch das Buzludzha-Monument zu finden, ein Denkmal der etwas anderen Art.

 

Das Tal ist eingerahmt von Gebirgsketten, wo sich auf 2 Gipfeln riesige Denkmäler in die Abendsilhouette einreihen. Das eine ist Shipka, das steinerne bulgarische Bauwerk der nationalen Identität. Dort wurde eine Schlacht geschlagen, um die Osmanen aus Bulgarien zu vertreiben. Die Schlacht war nicht entscheidend, aber blutig und so ziert heute ein Denkmal den Gipfel und man hat ein paar Kanonen dekorativ hingestellt. Einheimische schicken noch heute in Erinnerung an die Befreiung vom „türkischen Joch“ türkische Durchreisende gerne in Richtung Russland anstatt türkische Grenze, falls diese so unklug sind und in Bulgarien nach dem Weg fragen. Rache wird halt kalt serviert.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Ein Kleinkind, das von seiner Tante verfolgt wird. Beide rennen
Und hier stürzt sich die kommunistische Jugend zum historischen Wallfahrtsort. Voran schreitet die Jugendvertretung für Plovdiv, verfolgt von der stellvertretenden Ortsvorsitzenden im Wahlkreis Varna 1.

Die Geschichte des Denkmals

Die zweite steinerne Berggipfeldekoration ist auf dem Berg Chadschi Dimitar und symbolisiert als „majestetisches Pantheon des Sozialismus und Kommunismus“ die „Liebe zu unserer liebsten Heimat“. Einen kleinen Überblick über die Geschichte findet ihr hier.

 

Die Rede ist vom Buzludzha-Monument, das von 1974-1981 dort erbaut wurde. Warum es auf diesem Berg erbaut wurde? Nun, am 2. August 1891 trafen sich dort politisch Gleichgesinnte. Reden wurden geschwungen, Rakia floss in Strömen und ein paar 5-Jahrespläne wurden geschmiedet und nach 2 Stunden bereits übererfüllt. Kurz um, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Bulgariens war gegründet, aus der später die Bulgarische kommunistische Partei hervorging.

 

Ihr zu Ehren wurde dieses Denkmal errichtet. Es sieht aus wie ein Ufo, soll aber einen Kranz darstellen. Der Bau kostete ca. 14 Millionen Leva, jede Menge Beton verbaut und Rubinglas aus der Sowjetunion herbeigeschafft. Jede Familie Bulgariens durfte sich in sozialistischer Freude monitär oder mit eigener Arbeitskraft daran beteiligen. Dafür wurden sogar extra Briefmarken herausgegebenen. Briefmarken sind einfacher zu kaufen als Felsen wegzuschleppen. Das erklärt vielleicht, dass nur 6000 „Freiwillige“ sich am Bau selber beteiligten. Die Eröffnung wurde dann um 20 Tage verschoben, die Tochter des Generalsekretärs war nämlich verstorben und das kollidierte mit dem Eröffnungstermin.

 

Zwischen 1981 und 1989 besuchten insgesamt mehr als 3 Millionen Menschen im Rahmen von organisierten sozialistischen Weiterbildungen das Monument. Darunter viele glückliche Schüler, die aus allen Teilen des Landes herangekarrt wurden, anstatt im Schwarzen Meer zu planschen.

Seit 1989, nach ganzen 8 prachtvollen Jahren der Bewunderung durch die eigene Bevölkerung und des prunkvollen Angebens vor ausländischen Delegationen sozialistischer Bruderländer, verfällt das Buzludzha-Monument. Genutzt wird der Gipfel derzeit um Pferde dort grasen zu lassen oder Lost Place Fotografen toben sich im Innern aus. Hochzeitspaare lassen ihre neu geschlossene, gemeinsame Zukunft im Glanze des Verfalls fotografisch festhalten. Irgendwo auch ein Sinnbild der Ehe. Entweder ensteht aus den Ruinen des Singledaseins etwas Neues oder es geht nach der Trauung steil bergab. 

Wenn Geschichte, das Fernsehen und Pferdeäpfel auf einen Deutschen treffen.

Ich besuchte das Monument bei meinen ersten Besuch in Bulgarien. Dass ich so bekannte Sauftouristenhochburgen wie den Sonnenstrand entging, lag daran, dass ich ganz frisch mit meiner damaligen Freundin zusammengekommen bin. Daher nahm sie mich mit in ihre Heimat und ich lernte ihre Familie kennen. Manchmal war es ein Sauffamilienbesuch mit Ausflügen. Saufen musste ich übrigens für uns beide. Und bulgarische Familienzusammenkünfte sind meistens hochprozentig.

In Kazanlak angekommen, machten wir mit meiner Schwägerin und Schwager also uns auf, das Monument zu erklimmen. Was in Bulgarien nicht so einfach ist. Das Auto war von einem Kumpel geborgt, es war klein, aber 4 Erwachsene, davon eine  Hochschwangere und ein Kleinkind im Kindersitz passten hinein.

 Den Gipfel hinauf zu fahren war ein Abenteuer an sich! Erstens, weil in Bulgarien besonders in den Bergen, die Strassen nicht immer vorhanden sind. Als Ausgleich gibt es aber viele Schlaglöcher zu umfahren. Zweitens, weil die Bulgaren sich trotz Schlaglöcher nicht trauen die Bremse zu benutzen! Man kann auch schnell Schlaglöcher umfahren! Und drittens, weil es völlig egal ist, dass da gerade ein Auto entgegenkommt, während man gleichzeitig die Schlaglöcher schnell umfährt! Soll der Andere doch bremsen. Doof nur, wenn beide so denken! Als wieder einmal ein Lebensmüder uns in einer nicht einsehbaren Serpentine mal wieder überholte, prägte der Schwager meiner Freundin den sinnreichen Spruch: “ he is in a hurry to become a number in the statistic of bulgarian street-accidents!“ Vielleicht nicht grammatikalisch perfekt, aber das war mein Bulgarisch auch nicht!

Auf dem Gipfel erwarteten mich Windmühlen, Pferdescheiße und ein Kamerateam. Die armen Reporter, wahrscheinlich Praktikanten, mussten oben auf Besucher warten. Und als Sensation des Tages: Ein Deutscher! Das Leben hält halt immer unvorhergesehene Drehungen und Wendungen für uns unwissende Menschenkinder bereit! Ich wurde oft gefragt, ob ich denn wisse, was dieses Buzludzha-Monument bedeuten würde?

Als akademisch zertifizierter Klugscheißer hatte ich mich natürlich im Vorfeld informiert. Mein Wissen teilte ich umgehend und tiefsinnig mit. Natürlich kontextualisierte ich die damaligen geschichtlichen Umstände, meine heutige Perspektive als ein in der ehemaligen DDR teilsozialisierter Mensch und grenzte zugleich meine kritischen Anmerkungen in ihrer wissenschaftlichen Objektivität ein! 

Die beiden hörten aufmerksam zu und machten große Augen, ob meiner Gelehrsamkeit. Wurden sie einfach hochgeschickt, ohne zu wissen, dass sie genau an den Jahrestag der Einweihung vor Ort waren. Ich hoffte, dass mein 30-minutiger Vortrag auf 5 Minuten in ihren Kernaussagen zusammengeschnitten werden konnten. 

Abends kam aber nur ein ca. 30 Sekündiger Ausschnitt. Von meiner Freundin, die kurz auf Bulgarisch was sagte. Dann kamen andere wichtige Themen. Leider scheiterte meine tiefgründige geschichtliche Analyse an einer mir bis dahin unbekannten Sprachbarriere. Überraschenderweise sprechen die Bulgaren kein Deutsch. Und wie ich auf weiteren Reisen festgestellt habe, die meisten Menschen in anderen Ländern auch nicht. 

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